[Rezension] Es wird keine Helden geben - Anna Seidl




ISBN-13: 978-3-7891-4746-3 
Verlag: Oetinger
Seiten: 256
     Preis Hardcover: 14,95 €
     Quelle: Oetinger Verlag


Man kann die Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu laut.

Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin auf das Jungenklo. Als sie sich aus ihrem Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Rettung zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr bislang so unbeschwertes Leben. 

Das Buch kaufte ich mir, weil es mir die nette Buchhändlerin empfohlen hatte. Irgendwann sagte man mir, die Autorin sei erst 16 gewesen als sie das Buch schrieb. Meinen Respekt an dieser Stelle!
Die Thematik ist schwer, brutal und leider auch sehr aktuell. Der Titel klingt sehr nach Jugendliteratur; ich dachte dabei eher an eine Liebesgeschichte als an einen Amoklauf. Bis ich den Klappentext las. Verwirrender Titel, schönes Cover (ich mag dieses auf Selfmade getrimmte) und ergreifende Infos im Text.

Ich entschuldige mich von vorneherein, falls ich zu viel von der Handlung verrate. Ich halte es für nötig, um meine Meinung richtig begründen zu können. Das hier ist also eine offizielle Spoilerwarnung.

Die ersten - sehr spannenden - Seiten, die den Amoklauf beschreiben, sind schnell abgehakt. Danach geht es weiter mit dem Verarbeiten des Geschehenen.
Die Schule wird renoviert, um Flashbacks zu vermeiden; Seelsorger werden zur Verfügung gestellt; die Regierung nimmt Anteil am Geschehenen etc. Soweit der Blick von außen. Doch haupsächlich dreht sich das Buch um Miriam:

Überwiegend spielt das Buch bei ihr zuhause. Das Mitleid nach der Terrorattacke legt sich schnell wieder, denn Miriam legt einen Egoismus an den Tag, mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Natürlich trauert sie und steht unter Schock - gar keine Frage. Doch sie benimmt sich teilweise wie ein kleines Kind. Sie will die Hilfe ihrer Eltern, nimmt diese aber nicht an und beschwert sich dann darüber. Paradox.
Zur Therapeutin will sie erst gar nicht gehen, sowas braucht sie nicht und Therapeuten sind doch sowieso alle doof. Miriams Verhalten wirkt unreif und sehr klischeehaft. Sie jammert ununterbrochen über ihre verlorene unschuldige Kindheit, darüber, dass sie jetzt keinen mehr hat - und vergisst dabei, dass sie noch jede Menge an Leuten um sich herum hat.

Auch ihre Gedanken drehen sich stetig im Kreis. Ich bin so arm, ich hab nichts mehr, ich bin jetzt erwachsen.
An sich sind diese Gedanken nicht schlimm, sondern eher natürlich. Doch diese Arroganz, mit der sie sich selbst als so erwachsen darstellt, macht mich wahnsinnig. Sie mutiert zu einer Möchtegern-Philosophin, die alles besser weiß, sich aber verhält wie ein Kind.
Für ihre Freundinnen ist sie nicht da, beschwert sich aber, wenn ihre Freundinnen auch nicht für sie da sind.

Irgendwann gegen Mitte / Ende des Buches ändert sich ihre Einstellung ein wenig. Sie versucht halbherzig ihrer besten Freundin zu helfen, gibt aber nach dem ersten Rückschlag schon wieder auf.
Eine andere Freundin gerät auf die schiefe Bahn und was macht Miriam? Macht sie fertig, wendet sich von ihr ab, statt ihr zu helfen.
Jedenfalls verändert sich Miriam irgendwann ins Bessere. Das Buch wird gegen Ende noch richtig schön, was ich persönlich gar nicht mehr erwartet habe.

Kurz gefasst:
Die Thematik ist sehr schwer und ich finde es außerordentlich mutig, solch ein Buch in so jungen Jahren zu schreiben. Doch ein ergreifendes Thema allein reicht nicht aus, um ein gutes Buch zu schreiben. Die Schreibweise ist sehr einfach und auch im jugendlichen Stil gehalten. Die einzelnen Phasen der Trauer sind sehr realistisch gehalten, genauso wie die Einflüsse von außen auf das ganze Geschehen.
Der einzige Minuspunkt ist eigentlich die Protagonistin. Das Buch ist eher eine kleine Stressbewältigung im Leben eines Teenagers. Der Amoklauf rückt zu sehr in den Hintergrund; es geht weniger um das Geschehen danach und wie die Betroffenen das verarbeiten, als um Miriam und ihre pubertären Probleme. Sehr schade.

Kommentare:

  1. Du redest, oder besser gesagt schreibst mir aus der Seele. Ich dachte schon, ich wäre die Einzige, die das Buch nicht mochte und nur mit 2 bewertet hat. Ich fand Miriams Möchtegern Philosophie auch extrem anstregend und unnötige Zeilenfüller.
    Sehr schöne Rezension =)

    Liebe Ggüße Sandra von Miss Page-Turner

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    1. Eine Gleichgesinnte! Ich hatte schon Angst, dass ich mich mit dieser Meinung unbeliebt mache. :D
      Dankeschön. ♥

      Liebe Grüße
      Sarah ♥

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