[Rezension] Fame Junkies - Morton Rhue



ISBN: 978-3-473-35319-4
Verlag: Ravensburger
Seiten: 320
Preis: 15,40 €
Quelle: Amazon


Was ist, wenn ich dir sage, dass ich mal berühmt war? Dass ich auf der Straße erkannt wurde? Dass ich zu Talkshows eingeladen wurde? Dass mir eine Zeit lang auf Schritt und Tritt Paparazzi folgten?

Dass sich alles nur um mich drehte - mich - mich. Kannst du dir das vorstellen?

Klar kannst du das. Bloß hat das, was du dir vorstellst, leider überhaupt nichts mit der Realität zu tun.

Da ich ein riesengroßer Morton Rhue Fan bin, muss ich natürlich jedes (übersetzte) Buch von ihm haben und lesen. Das gestaltet sich allerdings schwierig, da dieses Werk nur noch auf Amazon erhältlich ist - den Link findet ihr in den Quellen.

Der Klappentext hat mich weiter so gar nicht interessiert, wenn ich ehrlich bin. Ich wusste, dass es um Teenager geht, die um jeden Preis berühmt werden wollen - und das reicht mir allemal als Info für ein Buch von Rhue. Für mich war klar, dass dies eine Geschichte voller Ehrlichkeit und falscher Wege sein muss; ich liebe es, wie er Probleme aufgreift und sie zu einem wundervollen Buch verarbeitet.

Doch Fame Junkies ist anders. Es hat die problematische Thematik wie immer, der Schreibstil ist wie gewohnt erfrischend zu lesen...
Und trotzdem bin ich von Fame Junkies ziemlich enttäuscht.
Gestern Abend habe ich es zu Ende gelesen und war froh darüber, noch eine Nacht darüber schlafen zu können. Ich bin immer noch hin- und hergerissen von meiner eigenen Meinung über dieses Buch.
Warum? Lest weiter. (;

Vorerst muss ich loswerden, dass mir die Stimmigkeit von Anfang und Ende der Lektüre sehr gefällt. Das erste Kapitel hat zum Schluss doch eine sehr greifende Wirkung und Bedeutung.
Die Kapitel springen oft in Zeit und Personen, die gerade wichtig sind - was das Lesen für mich sehr anstrengend macht. Ich muss dazu sagen: Eigentlich habe ich mit solchen Sprüngen keine Probleme, aber hier scheinen sie irgendwie unkoordiniert und verwirren extrem.
Hier eine Auflistung der verschiedenen Kapitelaufstellungen:

   1. Die Schulzeit, mit der die Geschichte ihren Anfang nahm
       Aus der Sicht von Jamie
   2. Die Zeit der "Berühmtheit"
       Aus der Sicht von Jamie
       Aus der Sicht von Avy
   3. Der Abschluss, mit dem alles sein Ende fand
       Aus sicht von Jamie

Schön und gut, diese Auflistung sieht doch sehr übersichtlich aus, oder? Leider ist es das im Buch absolut nicht! Die Auflistung dieser Kapitel, wie ich sie beschrieben habe, springen viel zu oft und sehr sinnlos hin und her, sodass die Spannung hauptsächlich auf den Kapiteln von Nummer 2 liegt. Zwischendurch wird berichtet, wie es dazu kam, doch die Kapitel von Nummer 1 sind dank 2. so uninteressant, dass sie reichlich überflüssig werden.
Wenn ich im Nachhinein über die Handlung nachdenke, ist in meinem Kopf alles geordnet, obwohl ich ewig gebraucht habe, dieses Buch zu lesen und sehr verwirrt war.
Um Fame Junkies am Ende verstehen zu können, war jedoch kein Kapitel überflüssig. Alle haben ihren Sinn und ihre Infos, obwohl es während des Lesens keinen Spaß gemacht hat.
           Ich hoffe, die Beschreibung gerade ist nicht genauso verwirrend wie das Buch!
Am Schlimmsten fand ich die Kapitel, die plötzlich ihre Erzählform geändert haben. Kleines Beispiel (Seite 59):
Du wirst in dein Zimmer gehen, die Tür hinter dir abschließen und Musik anmachen. (...) Nachdem du eine Weile gezögert hast, wirst du vorsichtig den Deckel anheben und erleichtert sein, dass du nicht gleich als Erstes ein Foto von Avy siehst (...).
Diese Erzählform geht mir gewaltig gegen den Strich, denn irgendwie fühle ich mich provoziert. Woher soll irgendwer außer mir wissen, wie ich handle, was ich denke oder fühle? Denn ich persönlich habe mich durch diesen Schreibstil angesprochen gefühlt. Gott sei Dank nimmt diese Form nicht viel im Gesamtwerk ein.

Leider bleiben einige Personen im Hintergrund der Geschichte, die mich mehr interessiert haben. Zum Beispiel Jamies Freund Nasim. Er wird fast ausschließlich in Briefen erwähnt, obwohl ich gerne ein Kapitel aus seiner Sicht gehabt hätte. Was geht in ihm vor? Wie geht er damit um? Ihn betrifft es doch genauso wie andere handelnde Personen.

Jamies Karriereende finde ich auch ein bisschen lieblos. Sie findet sich sofort damit ab und steht natürlich über allem. Sehr schade, denn ich bezweifle, dass man sich so schnell im "normalsterblichen" Leben wieder wohl fühlt. Vielleicht ist es für sie aber auch so einfach, weil es nie eine total berühmte Jamie gegeben hat. Sie war ein wenig bekannt, das wars. Sie war nie "die Eine", sondern nur eine kleine Eintagsfliege in ihrem Business.

Zur Thematik kann ich nichts Negatives sagen. Ein paar Teenager wollen berühmt werden, eine schafft es, andere wollen nachziehen und scheitern kläglich. Der Einblick in die Welt der Reichen und Berühmten ist sehr realistisch - Drogen und Partys fehlen nicht und der Schönheitswahn wird auch ausgiebig ausgelebt.
Selbst Stalker fehlen in diesem Werk nicht!

Kurz gefasst: Fame Junkies ist ein sehr verwirrendes Buch, das mich nicht so stark fesseln konnte wie andere Werke von Morton Rhue. Die Dramatik ist jedoch unschlagbar und ich bin froh, es gelesen zu haben. Nachdem ich fertig war und mir über die Gesamtheit des Ganzen bewusst wurde, ist es in meiner Erinnerung schon gar nicht mehr so kompliziert und verworren wie im Buch selbst.


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