[Rezension] Vor uns das Leben - Amy Harmon



IBAN: 978-3-86396-073-5
Verlag: Egmont INK
Seiten: 384
Preis: 14,99 €
Quelle: Amazon.


Sterben ist einfach.
Die wahre Herausforderung ist das Leben.
Die Highschool ist zu Ende. Das Leben liegt vor ihnen. Und obwohl Fern, Bailey und Ambrose dachten, sie wüssten, was die Zukunft für sie bereithält, geschieht etwas Unvorhersehbares. Etwas, das die drei zusammenführt. Etwas, das ihnen zeigt, dass man stark sein kann, obwohl man im Rollstuhl sitzt. Dass man besonders sein kann, obwohl man sich unscheinbar fühlt. Dass man schön sein kann, obwohl man Narben am Körper trägt. Und dass das Schicksal manchmal seine ganz eigenen Pläne hat…

Dieses Buch wurde von uns #InstaOmis für den Monat Januar gewählt und somit haben wir damit eine kleine interne Leserunde veranstaltet. Es war gar nicht so leicht aufzutreiben! In keiner Buchhandlung konnte es bestellt werden...
Mittlerweile gibt es das Buch aber wieder zu kaufen. Bei Weltbild habe ich es gesehen und auf Amazon findet man doch jedes Buch irgendwo noch. (;

Ich muss gestehen, dass ich anfangs ein wenig verwirrt war von den ganzen Namen, die auf mich eingestürmt sind. Doch man gewöhnt sich daran und irgendwann kann man die verschiedenen Personen identifizieren. Meistens waren diese Figuren ohnehin nicht von hoher Bedeutung, sodass ich einfach weiterlesen konnte.

Die Kapitelüberschriften habe ich erstmal dezent überlesen, weil ich damit nichts anfangen konnte. Ab Kapitel 7 oder 8 habe ich dann allerdings kapiert, was sie zu bedeuten haben (was am Ende auch noch aufgeklärt wird, deshalb verrate ich hier vorerst nicht viel mehr).
    Die Tiefgründigkeit hinter dieser Idee ist überwältigend und die Einfachheit bringt wohl jeden dazu, sich mit sich selbst und seiner Einstellung zum Leben zu beschäftigen. Zumindest hat es das Buch bei mir geschafft. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie ich zu bestimmten Dingen stehe und ob ich auch alles genug schätze. Ich finde es super, wie dieses Buch mir die Augen öffnen und gleichzeitig den Anreiz dazu geben konnte, die kleinen Dinge des Lebens wieder schätzen zu lernen.

Fern, Ambrose und Bailey sind die Hauptcharaktere der Geschichte, wobei mir Bailey wichtiger erschien als die anderen. Ich wollte mehr von ihm - für mich war es teilweise zu viel Ambrose & Fern. Das halbe Buch dreht sich um ihre Liebesgeschichte, das Hin und Her: Sie liebt ihn, er sie nicht, er liebt sie doch, aber sie glaubt es nicht etc. Da kommt mir - meiner Meinung nach - Bailey um einiges zu kurz. Vor allem, weil er am Anfang so im Mittelpunkt stand. Die Rückblicke, seine Krankheit etc. Und plötzlich geht es nicht mehr um ihn.
    Was mich auch ein wenig gestört hat, ist die Oberflächlichkeit, die irgendwie ständig Einzug in die Gedanken erhält. Fern, die selbst immer wieder betont, dass sie hässlich ist, Ambrose, der als zu-schön-um-Wahr-zu-sein beschrieben wird, Bailey, der auch nie seine Traumfrau bekommen wird, weil er nicht perfekt ist. Ambrose, der später fast daran zugrunde geht, nicht mehr hübsch zu sein. Fern, die plötzlich hübsch ist und Ambrose, der für mich zu viel darüber nachdenkt. Die Probleme mit den Äußerlichkeiten sind so furchtbar omnipräsent und nerven irgendwann tierisch.
    Vielleicht stört mich der Verlauf deswegen so sehr. Das hässliche Mädchen, das den hübschen Jungen liebt, der sich nicht für sie interessiert, weil sie hässlich ist. Und dann ist sie schön und er interessiert sich plötzlich doch für sie. Diese Thematik finde ich lächerlich ausgelutscht und ist für mich der Inbegriff eines Kitsch-Romans.

Dann gibt es aber auch Aspekte, die mich an diesem typischen Kitsch-Kram ziemlich begeistern. In Zeiten von Shades of Grey und Sex-Büchern, die wie Unkraut überall wachsen, ist mir die unschuldige Art der Charaktere so unglaublich willkommen. Sie küssen sich, streicheln sich und stoppen sich dann. Sie wollen nicht einfach so irgendwas; sie wollen es perfekt und zu einem Zeitpunkt, der passt. Sie wollen sich selbst beweisen, dass sie mit sich im Reinen sind und alles richtig machen. Es gibt wichtigeres und sie haben alle Zeit der Welt, sich irgendwann darauf einzulassen. Und das muss nicht in einer Woche sein. Oder in einem Monat. Sondern dann, wenn sie dafür bereit sind.

Am besten gefallen haben mir allerdings die Rückblicke. Die Zeiten, die alles erklären - die mir Hintergrundwissen gaben. Die mir zeigten, wie sehr Jesse seine Familie liebt. Die mir klar machten, warum manches so wehtut oder wieso eine Stimmung plötzlich kippen kann. Das waren die Absätze mit den größten Gefühlen, die mich auch zu Tränen rühren konnten.
Das konnte allerdings auch das Ende der Geschichte. Da prallen noch einmal alle Gefühle aufeinander. Wut, Trauer, Freude, Liebe, die ständige Frage nach dem Warum?.
Kleiner Spoiler.
Es ist so schade, dass keiner genug um Rita kämpft. So schade, dass man zu wenig von ihr erfährt und sie sie alle ihrem Schicksal überlassen. Es ist so traurig, obwohl man sich darauf einstellen kann, wenn Baileys Ende eintritt.
Spoiler Ende

Kurz gefasst ist Vor uns das Leben ein Roman, der zum Nachdenken anregt, Glauben wiederfinden lässt und die Hoffnung auf ein wenig Unschuld im Leben wieder aufkeimen lässt. Leider ist er etwas zu überladen mit Klischees und viel Kitsch, sodass das Lesen manchmal sehr schwer fallen kann. Doch im Grunde ist dieses Buch ein sehr lesenswertes Exemplar, das ich in meiner Bücherkiste nicht missen möchte.


1 Kommentar:

  1. Hey Herbsti,

    also der Klappentext hört sich echt interessant an...
    Und vor allem das es ja auch im wahren Leben immer so ist, dass so unvorhersehbare Dinge passieren...
    Wie gesagt es klingt gut :).

    Schöne Rezension!

    Liebe Grüße
    Anie

    http://anie1990.blogspot.de

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