[Rezension] Nachts schwimmen - Sarah Armstrong



ISBN: 978-3-453-29070-9
Verlag: Diana Verlag
Seiten: 449
Preis: 14,99 €
Quelle: Randomhouse


Heißt lieben, immer die Wahrheit zu sagen?
Tagsüber kämpft Rachel um das Leben ihrer kranken Mutter, nachts entspannt sie sich beim Schwimmen. Eines Abends ist sie nicht allein. Auch Quinn, der Arzt ihrer Mutter, liebt es, in der Dunkelheit durchs Wasser zu gleiten. Jeden Tag fiebert Rachel nun dem Sonnenuntergang entgegen. Den Momenten, wenn sie nebeneinander ihre Bahnen ziehen, reden und sich näherkommen. Die leidenschaftliche Affäre ist unausweichlich, obwohl sie wissen, dass ihre Gefühle nicht sein dürfen. Denn Quinn ist mit Marianna verheiratet, und die wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind …

Erstmal ein herzliches Dankeschön an Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar. Es wird vorerst mein letztes sein, da ich lieber meine eigenen Bücher lese und schon für dieses Werk eine Ewigkeit gebraucht habe, was mir aufrichtig leid tut.

Von Erzählungen über Nachts schwimmen habe ich bisher nur Gutes gehört und wurde extrem neugierig. Dann habe ich mich dazu entschlossen, doch einmal einen Klappentext zu lesen und der hat mich dann mächtig gefesselt. Also war eine Grundneugier schon vorhanden und ich habe mich richtig aufs Lesen gefreut.

Dann habe ich angefangen zu lesen und das Buch war ganz anders als erwartet. Es spielt im heißen Australien mit viel Sonnenschein, wovon ich allerdings nicht so viel gespürt hab. Ich hatte ein anhaltendes Gefühl von Unwetter. Das Buch bringt eine Stimmung von Dauerregen und Sturmböen mit sich, was sich mit der Zeit sehr auf das Lesevergnügen auswirkt. Die Geschichte ist spannend und auch wundervoll geschrieben, aber diese Stimmung dämpft den Spaß und macht daraus eine relativ anstrengende Erfahrung.

Der Titel mit Klappentext macht Hoffnung darauf, dass die Geschichte sich im Laufe des Schwimmens entwickelt und dies eine tragende Rolle in der Handlung spielt, was sich aber als falsch erweist. Ich kann an einer Hand abzählen wie oft Quinn und Rachel zusammen schwimmen gingen (mit Auswirkung auf die Handlung), was für mich sehr enttäuschend ist.
     Allgemein finde ich, dass viel zu oft abgeschweift wird und kleine unwichtige Details den Lesefluss ebenfalls sehr stören. Somit geht die eigentliche Handlung wirklich sehr schleppend voran und manchmal verliert man den Anschluss, weil man schon vergessen hat, worum es eigentlich geht und in welcher Zeit man sich gerade eigentlich befindet.
     Später wird es noch um einiges verwirrender, wenn Quinn sein ewiges Doppelleben weiterhin aufrechterhält und man nicht weiß, wo genau er sich jetzt befindet.

Die gnadenlose Ehrlichkeit der Personen am Anfang ist sehr erfrischend und eine willkommene Abwechslung zum ununterbrochen andauernden Thema der toten oder totkranken Menschen. Im weiteren Verlauf des Buches verletzen sich ständig irgendwelche Menschen oder sterben oder es geht immer wieder um die schon toten Menschen. Die Stimmung wird immer drückender, immer depressiver und irgendwann habe ich wirklich die Lust am Lesen verloren und wollte das Buch nur noch schnell beenden.
     Das wird auch nicht besser als Teil 2 der Geschichte beginnt. Das Buch ist in zwei Hälften unterteilt, was an sich angenehm ist, weil man eine Pause einlegen kann, aber diese dank des Cliffhangers nicht wirklich genießen kann. Also einfach weiterlesen und dann irgendwann eine Pause einlegen, oder?
Falsch gedacht. Denn der zweite Teil lässt einen in der Luft hängen und zögert eine Aufklärung um Ewigkeiten hinaus, weil man weiterhin mit unwichtigen Details gefüttert wird, die in dem Moment einfach kein Stück interessieren. Wo bleibt die richtige Handlung, wenn immer und immer wieder davon abgekommen wird?

Quinn ist auch so eine Sache. Ich zitiere einmal eine Meinung über dieses Buch:
"Dass daraus keine vorhersehbare Mistkerl-betrügt-arme-Frau-Schmonzette wird, sondern eine sehr kluge Betrachtung jenseits von Gut und Böse, liegt an der großartigen, mitfühlenden Beschreibung der Charaktere durch die Australierin Sarah Armstrong. Ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann – und eine Autorin, die wir mit Sicherheit im Auge behalten werden."
Magazin EMOTION
Klingt vielversprechend, ist aber genau das Gegenteil von dem, was ich über dieses Buch denke. Quinn ist ein Mistkerl wie er im Buche steht. Und das kann man wörtlich nehmen. Quinn spielt mit zwei Frauen und drückt sich immer wieder von der Wahrheit. Er sagt immer wieder, dass es falsch ist, tut es aber trotzdem und verheimlicht sein Doppelleben 5 ganze Jahre lang. Natürlich wird es der einen Dame dann irgendwann zu bunt und möchte, dass er endlich ehrlich ist. Komisch, dass sie 5 Jahre darauf wartet und noch komischer ist, dass sie nach Mitleid schreit, obwohl sie genau wusste, was sie tut und dass sie einen verheirateten Mann hat. Ich kann beide nicht ausstehen und empfinde nur unglaubliche Wut und auch Bedauern für Marianna.
     Der Schreibstil versucht verzweifelt, eine Antipathie zu Marianna zu erstellen und man erwartet von Anfang an, dass Quinn sie verlässt. Da sind keine Emotionen, es ist kalt und hässlich. Sie liebt ihn, aber er ist ihr schon lange nicht mehr nah. Das spürt man beim Lesen sofort und von Anfang an, aber Quinn windet sich natürlich geschickt aus allem heraus. Durch dieses feige Verhalten, was ich auch sehr egoistisch finde, entsteht eine unnötig in die Länge gezogene Geschichte, die man schneller hätte beenden können, wenn Quinn schneller gehandelt hätte wie es vorhersehbar ist und auch geschieht.
     Als wäre das nicht schon drückend genug kommt wieder und wieder das schon erwähnte Thema der Verletzten und sterbenden Menschen auf und legt noch einen zusätzlichen Schatten auf die momentane Situation.

Ich rede mich hier ziemlich in Rage, merke ich gerade. Ich bin so unglaublich enttäuscht von diesem Buch, obwohl ich auch ein paar positive Punkte loswerden möchte.
     Man spürt, dass hinter diesem Buch wirklich viel Arbeit und Liebe steckt - Herzblut eben. Bestimmt ist es gefüllt mit viel Schweiß, schlaflosen Nächten der Autorin und ihrer Leidenschaft zum Schreiben. Das spürt man beim Lesen, was mich persönlich dazu veranlasst hat, das Buch dennoch bis zum Ende zu lesen.
     Es ist sehr schade, dass ich mich mit den Figuren nicht anfreunden konnte und dieses Buch somit nicht meinem Fall entspricht. Ich reagiere mittlerweilse sehr heftig auf solche Spielchen und kann nicht mehr nachvollziehen, wie man Menschen so verletzen kann und das auch noch bei vollem Bewusstsein.

Kurz gefasst ist Nachts schwimmen ein Roman, der ein ganz einzigartiges Lesegefühl vermittelt, das ich so noch nie empfunden habe, weshalb ich das Buch in Ehren halten werde. Leider finde ich die Figuren sehr unsypmathisch und ertrage die anhaltend drückende Stimmung der Thematik und der sterbenden Personen irgendwann nicht mehr und möchte einfach nur noch aus dieser Situation verschwinden.

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