[Rezension] Homevideo - Karin Kaçi & Jan Braren



ISBN-10: 3551314381
Verlag: Carlsen
Seiten: 192
Preis: 6,99 €
Quelle: Amazon


Jakobs Kamera ist wie ein Tagebuch. Mit ihr filmt der 15-Jährige, was ihn bewegt. Doch dann gerät ein selbstgedrehtes, intimes Video durch Zufall in die Hände von Mitschülern, die es ins Netz stellen. In kürzester Zeit verbreitet es sich in der ganzen Schule und nicht nur dort. Jakob wird ausgelacht, angemacht, gemobbt. Seine Freundin zieht sich von ihm zurück. Lehrer und Eltern wissen kaum, wie sie mit der Sache umgehen sollen. Keiner kann helfen, keiner kann die Hassbotschaften stoppen. Und das Unglück nimmt seinen Lauf …

Dieses Buch habe ich bei einer meiner Ich-Habe-Wieder-Lohn Buchshopping Touren mitgenommen, da ich solch problematischen Themen immer sehr interessant finde. Viel Drama in der Pubertät und sein wir mal ehrlich. Dass ein Video aus privatem Besitz an die Öffentlichkeit gerät, ist kein Einzelfall oder zu unrealistisch. Wie oft verschicken Mädchen Nacktbilder an ihre Freunde, weil sie glauben, die große Liebe würde sowas nie weiterschicken? Oder man macht private Aufnahmen und irgendjemand sieht sie aus Versehen? Das kann jedem passieren, der solche Aufnahmen macht und ich glaube, dass das auf mittlerweile viele Teenager zutrifft. Deshalb habe ich das Buch mitgenommen und war ziemlich gespannt darauf.
Schon von Anfang an ist das Buch ziemlich depressiv gehalten. Im Prolog erfährt man schon, welchen Weg Jakob geht, um sich aus seinen Problemen zu winden. Leider nimmt das ziemlich die Spannung raus. Es fühlt sich an als hättest du mühsam einen Ballon aufgeblasen, der nun voll ist mit Erwartungen an das Buch und mit dem ersten Satz schon entgleitet dir der Ballon und fliegt durch die Weltgeschichte, bis er leer ist. Die Puste ist raus. Und das schon am Anfang?
Das kann es doch nicht sein, dachte ich, und las weiter.


Tatsächlich hat mich die Sprache in diesem Buch ziemlich angenervt. Dieses Denglisch ist ja kaum auszuhalten. Als Beispiel mal zwei unabhängige Sätze am Anfang des Buches:
Annika winkte ihm und smilte.
Ein herzförmiges Icon (...) wuchs zu einem Bubblegumballon der Superlative und zerplatzte in tausend blutige Fetzen.
Ich meine, warum kann man nicht einfach lächelte schreiben? Ich kenne keinen, der smilte in seinem Alltagswortschatz benutzt und kann demnach auch nicht verstehen, warum man das in einem Buch benutzen sollte. Es liest sich einfach furchtbar. Genauso mit Bubblegumballon... Leider kommen solche Begriffe viel zu oft vor als dass man sie einfach ignorieren könnte und irgendwann wirkt diese Geschichte auf mich nur noch zwanghaft auf Jugendlich getrimmt. Als glaubten die Erwachsenen, mit solchen Ausdrücken jüngere Leser zu erreichen.


Die Gefühle, die im Buch rübergebracht werden, lassen sich an einer Hand abzählen und rekeln sich alle in ungefähr der gleichen Gefühlslage. Da wären Wut, Trauer und Hass. Dauerdepressive Stimmung. Da dieses Buch ein Buch zum Film ist, vermute ich, dass die Autoren wieder zwanghaft die Stimmung des Films einfangen wollten und dadurch einfach alles in einem schlechten Licht beschrieben haben. Selbst die glücklichen Momente, die Jakob erlebt, selbst die nicht ganz so schlimmen Sachen; alles wird als total unerträglich dargestellt und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass Hannah, für die er angeblich die Welt opfern würde - die ihm wichter ist als alles andere - so viel Glück in sein Leben bringt. Es wirkt als wolle man der Geschichte ein wenig Pepp geben. Da ist ein Mädchen, die soll ihn aufheitern und ihm Sinn geben und das wird ihm dann wie alles andere irgendwie genommen? Leider kommt das für mich überhaupt nicht so rüber und Hannah wirkt auf mich sehr als würde sie Jakob nur auf die Nerven gehen wie sein ganzes Leben.

Dadurch, dass die Stimmung beim Lesen so dauerhaft negativ ist, verging mir auch genauso prompt die Lust daran. Ich habe mich durch die wenigen Seiten gequält als wären es 500 Seiten, dabei sind es nicht einmal 200. Danach habe ich mich dazu entschlossen, den Film anzuschauen, damit ich einen Vergleich habe und auch die Vorlage der Autoren. Vielleicht kann ich mir ja dann denken, was sie sich dabei gedacht haben?

Nun, der Film ist wirklich gut gemacht. Er ist spannend und faszinierend und Jakob kommt nicht so depressiv rüber wie im Buch. Und genau darum geht es. Bei Teenagern sieht man es nicht wirklich, wenn es ihnen so geht wie Jakob im Film. Sie kämpfen mit Hormonen und Jakob sogar mit der Scheidung seiner Eltern. Er lässt in der Schule nach und alle denken, er sei faul. Das kann alles auch ganz normal sein und genauso erscheint es auch im Film. Das Buch jedoch zeigt Jakob ganz anders. Ihm geht es schlecht, es gibt nichts Gutes und es ist eine Schande, dass keiner sieht, wie schlecht es ihm geht.
Doch das Buch kommt der Realität lange nicht so nahe wie der Film.
Ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sage.

Zusammengefasst ist Homevideo ein Buch zu einem guten und aufklärenden Film. Das Buch vermittelt nur die falschen Werte und zeigt dem Leser, dass natürlich für alle Probleme nur ein einziger Ausweg infrage kommt. Und zwar der Falsche! Es tut mir wirklich leid, das sagen zu müssen, aber für meine ehrliche Rezension muss es leider sein:
Homevideo ist kein gutes Vorbild für die heutige Jugend, die das Thema Depression und Tod ohnehin schon viel zu leicht auffasst und romantisiert. Der Tod ist nichts Romantisches und Depressionen auch nicht. Wer gemobbt wird, hat eine Chance, da wieder rauszukommen und es ist so traurig, dass Homevideo Jakobs Schicksal als einzigen Ausweg hinstellt. So kam es mir beim Lesen nämlich vor.

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