Rezension: Lass mich glücklich sein (Im Bann von Crystal Meth) - Jana Frey




ISBN: 978-3-7855-8093-6
Verlag: Loewe
Seiten: 176
Preis: 5,95 €
Quelle: Loewe Verlag


Lisa und Lela sind die besten Freundinnen – unzertrennlich, schon von klein auf. Doch ihre Freundschaft ist zerbrechlicher, als sie denken. Nach einem Drogenversuch mit Crystal Meth driften die beiden auseinander. Lela nimmt die Droge immer wieder, braucht das Highsein, um nicht an ihrem Leben zu verzweifeln. Lisa dagegen schafft den Absprung und findet ihre erste Liebe. Doch darf sie ihr Glück genießen, während es Lela immer schlechter geht?

Diese Geschichte erzählt einfühlsam, welche Schäden der Konsum von Drogen wie Crystal Meth anrichten kann. Dabei begleiten die Leser die beiden Mädchen abwechselnd und erleben so das Was-wäre-wenn-Gefühl hautnah.


Durch den Loewe Whatsapp-Feed bin ich auf dieses Buch gestoßen und habe mich schon richtig darauf gefreut, es zu lesen. Am selben Tag noch bin ich in meine Lieblingsbuchhandlung gegangen und habe es mir gekauft. Und dann sofort gelesen, weil meine Leseflaute ja endlich vorüber ist! Jippiiie!

Na gut, dann fing ich mit dem Lesen an und die ersten paar Seiten waren enorm witzig. Ich habe kurzzeitig sogar vergessen, dass es hier um ein ernstes Thema geht, weil die typischen Alltagsprobleme eines pubertierenden Mädchens auf so amüsante Weise dargestellt wurden. Das fing super an! Sehr guter Tipp von Loewe!
... Oder doch nicht?

Anfangs verwirrten mich dann plötzlich die Zeitsprünge. Lisa oder Lela erklärten irgendetwas und zu jedem Gegenstand in ihrem Leben gibt es dann auch eine Hintergrundgeschichte. Und dann ist man plötzlich irgendwo in der Vergangenheit und versteht den Zusammenhang mal so gar nicht. Bis man erstmal kapiert hat, dass man gar nicht mehr im Hier und Jetzt ist! Aber das geht ja wieder vorbei. Und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, was die Erklärungen mit der Geschichte verbindet. Ich weiß die Hälfte schon gar nicht mehr.
     Was dann aber nicht erklärt wird, sind die wirklich wichtigen Dinge. Gleich auf den ersten Seiten wird von einem Aurel berichtet. Aber wer ist Aurel? Etwas ist geschehen, aber was? Und nun wird immer wieder dieser Aurel erwähnt, aber kein Stück mehr an Infos. Und irgendwann war ich nur noch genervt davon, dass er ständig erwähnt wird und nichts aufgeklärt. Das gleiche Dilemma mit dem Land außerhalb, was mich irgendwann nur noch mega aggressiv gemacht hat.
Ich kann ja verstehen, dass man etwas Spannung reinbringen und sich einen Knaller für den Schluss aufbewahren möchte; aber dann gibt man doch stückchenweise Infos, um den Leser am Ball zu halten. Und das war leider nicht der Fall. Das ging mit einigen Dingen so, die ich aber nicht alle aufzählen werde. Wenn es dann endlich aufgeklärt wird, ist man schon so genervt, dass es einen kein Stück mehr interessiert.


Ich muss sagen, dass ich mich nach einem SelfPublisher-Werk für eines von einem Verlag entschieden habe, um mal wieder eine korrekte deutsche Rechtschreibung zu genießen. Die habe ich aber verzweifelt gesucht. Es waren einige Fehler drin, die mich aber nicht so schlimm gestört haben wie diese komischen, komischen Sätze. Ein kleines Beispiel:
Sie mussten press aufeinander gelegen haben.
What? So komische Sätze kommen oft vor. Und Aufzählungen. Aufzählungen, so weit das Auge gucken kann. Dann kommen noch zusammengesetzte Wörter, die ich anfangs recht amüsant, aber nach einiger Zeit immer skuriller und erzwungener fand. Dicke-Jacken-Wetter oder Beste-Freundinnen-Duft oder Mamageruch, um mal Beispiele zu nennen, die mir im Kopf geblieben sind. Oder Eine Unzeit. Mistzeit. Zerfledderzeit. Komischesgefühlzeit.
Das Problem an der Sache ist, dass es sich zu oft wiederholt. Es wirkt erzwungen jugendlich und total übertrieben auf Dauer. Klar, Teenies haben ihre Insider und ihre eigenen Begriffe - aber nicht hunderte davon! Und nicht alle auf einmal! Außerdem behindert es den Lesefluss ungemein, wenn die Hälfte der Story nur aus solchen unsinnigen Aufzählungen besteht, die immer und immer schlimmer zu werden scheinen.

Kommen wir mal zum Kern des Buches. Die Drogenproblematik. Die Mädels finden ein Tütchen mit Meth drin und nehmen das. Natürlich. Weiß man ja auch schon vom Klappentext. Und die Hochgefühle, die diese Mädels damit haben, werden so intensiv beschrieben und so lange behandelt, dass ich mich irgendwann gefragt hab: Warum nimmt die andere das nicht weiterhin, wenn das doch so toll ist?
     Und dann hat eine es immer wieder genommen. Und wieder. Und immer wieder wurde es als perfekte Erfahrung fürs Leben hingestellt und das hat mich persönlich ziemlich schockiert. Die Nebenwirkungen wie das typische Meth-Gesicht und der körperliche Zerfall wurde in Komplimenten wie Hast du abgenommen? Scharf siehst du aus! aufgefasst, was in meinen Augen wieder viel zu positiv ist. Sie findet neue Freunde und hängt mit denen ab, hat viel Spaß und ist endlich beliebt.
     Na, wenn das die Auswirkungen von Drogen sind, dann immer her damit! Denn das vermittelt mir dieses Buch! Und das ist furchtbar ohne Ende! Wenn das jemand Falsches in die Hände bekommt...
Na ja, irgendwann, nachdem sich die andere Olle total desinteressiert an ihrer besten Freundin gezeigt hat, macht sie sich dann doch Sorgen. So halb, irgendwie. Oder doch nicht. Denn das geht schnell vorbei. Jedenfalls macht sich dann ziemlich schnell doch jeder Sorgen nach einer gefühlten Ewigkeit, aber ich hatte ehrlich gesagt keinen blassen Schimmer, warum. Denn ihr gehts doch super? Sie sieht gut aus, hat ein tolles neues Leben mit tollen Freunden und irgendwie hat sie immer Stoff und muss nie dafür bezahlen. Wo kommt das Zeug her? Wer bezahlt das? Auf Dauer wird das nämlich schon ziemlich teuer...

Am Schluss kann ich noch sagen, dass die Story an sich keinen festen Zusammenhang zur Geschichte hat. Lisa findet angeblich ihre erste Liebe, aber ich war mir bis jetzt (und bin es immer noch nicht) sicher, ob die zwei wirklich zusammen sind, oder ob einfach jeder mit jedem wann und wie er will. Denn genau so kommt mir diese ganze Beziehungskiste rüber. Sie mit ihm, er mit ihm, er mit ihr, und so weiter. WTF. Da hatte ich eher die Vermutung, dass die anderen irgendwas genommen haben, so wie die sich benommen haben.
Ich konnte absolut keinen Bezug zu den Personen aufbauen und konnte nichts davon nachvollziehen. Ich habe keine Sympathien und keine Antipathien, es ist einfach alles total seltsam.

Zusammengefasst ist Lass mich glücklich sein ein Buch, das sich sehr schnell lesen lässt und anfangs ein paar gute Lacher bringt. Das legt sich dann allerdings nach ca. 10 Seiten und dann wars das auch schon mit den positiven Dingen über die Geschichte. Es vermittelt die falschen Werte, alle Charaktere sind total verkorkst und wirken wie aus einem Trash-Film entsprungen. Am Rande wird dann mal noch das Thema Rassismus angeschnitten, was wirklich kläglich erscheint. Ich bin bis jetzt noch ziemlich durch den Wind und weiß nicht, wie ich so ein Buch wirklich lesen konnte; das mir sagt: Drogen sind super. Spoiler. Am Schluss findest du dann auch noch deine Große Liebe.

Kommentar von meinem Bruder zu diesem Buch, der eigentlich kein Lesefreund ist und es dank diesem Buch auch nicht wird: Schlecht recherchierte Scheiße, denn meine Freunde auf Meth erzählen mir was Anderes. (Achtung: Satire! :D)

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