Rezension: Playlist For The Dead - Michelle Falkoff




ISBN: 978-3-649-66884-8
Verlag: Coppenrath
Seiten: 272
Preis: 14,95 €
Quelle: Spielburg Shop


Diese Dinge weiß Sam:
Es gab eine Party.
Es gab einen Streit.
Am nächsten Morgen ist sein bester freund tot.
Aber was Sam nicht weiß: Warum?
Alles, was ihm von Hayden bleibt, ist eine Playlist und eine Notiz: "Wenn du das hörst, wirst du mich verstehen." Und so begibt Sam sich auf die Suche nach Antworten und muss schon bald feststellen, dass er seinen besten Freund nicht so gut kannte, wie er immer gedacht hat ...

Man, klang dieses Buch verlockend, als ich im Laden stand. Dafür habe ich mein Kaufverbot gebrochen (ich habe noch ein Buch mitgenommen, aber das dann bei der Rezi dazu)! Wirklich, es klingt nach einer spannenden Geschichte und irgendwie musste ich an einen Mord denken oder irgendwas Kriminelles. Ihr auch? Dann schauen wir mal, ob sich das bestätigt hat.

Ich bin sehr gespannt endlich zu diesem Buch übergegangen, weil ich echt lange keine Zeit mehr zum Lesen hatte. Deshalb saß ich jetzt auch Wochen lang an diesem kurzen Buch, das nicht mal 300 Seiten hat. Peinlich für mich, aber so ist das Leben nunmal. Jedenfalls fängt die Geschichte total spannend an. An jedem Kapitelanfang gibt es ein Lied, das ich mir angehört habe, während ich die Kapitel gelesen habe. Manche kannte ich schon und von anderen habe ich noch nie gehört.
Ich mag Bücher, die viel Alltag beinhalten wie zum Beispiel Musik oder Filme oder andere Bücher. Musik hat so viel Ausdruck und Gefühl! Wenn ich heute Let her Go anhöre von Passenger fühle ich mich genauso wie damals, als es erschien und als ich ihn auf einem Festival getroffen habe oder wie sich der Sommer damals anfühlte. Lieder haben so eine Macht und diese zu Papier zu bringen ist ein Meisterstück, das man erstmal schaffen muss.
     Und ich muss sagen, dass das echt gelungen ist. Auch, wenn ich manchmal innehalten musste und eigene Erfahrungen zu bestimmten Songs eingebracht habe und mich das total aus dem Konzept gebracht hat. Aber immerhin hat es trotzdem Spaß gemacht. (;

(Kurzer Spoiler, der aber im Klappentext ersichtlich sein kann)
Dann allerdings war ich kurz echt verstört. Vielleicht wissen mittlerweile einige von euch, dass ich ziemlich allergisch darauf reagiere, wenn sich jemand umbringt und es unmengen an anderen Möglichkeiten gab oder sich diese Charaktere so darauf versessen haben, sich umzubringen, dass sie nichts Gutes mehr gesehen haben, wenn es doch noch so viel Gutes gab. Das ist für mich Verherrlichend und sowas kann ich in der heutigen Zeit einfach gar nicht ab. Vor allem nicht, wenn sich Mädchen umbringen, weil sich 1D auflöst oder Casper seine Depressionen Musikalisch zum Ausdruck bringt. Versteht mich nicht falsch, das soll nicht gegen die Künstler sprechen, ich mag deren Musik und kann mich teilweise echt damit identifizieren, aber sich in sowas so reinzusteigern und nur noch das Schlechte zu sehen und hervorzuheben scheint ein regelrechter Sport geworden zu sein, der mir nicht gefällt. Deshalb werde ich bei solchen Büchern immer sehr aggressiv (siehe Homevideo).
(Spoiler Ende)

Nunja, dem Himmel sei Dank stellte sich irgendwann heraus, dass mehr dahinter steckt als es am Anfang schien. Dennoch gab es etwas, das mich echt aufgeregt hat - bis zum Schluss. Da stirbt jemand, den man liebt bzw sehr mag; mit dem man sein Leben geteilt hat und dann? Ist der nicht mal eine Woche tot und man hat schon nur noch Gedanken an ein Mädchen, das man flüchtig (!) gesehen hat. Schon ist alle Trauer vergessen. Dann ist er halt tot, aber das macht nichts, denn ich bin jetzt verliebt! Damit kann ich bis jetzt noch nicht richtig umgehen, denn Hayden wurde dadurch immer mehr in den Hintergrund gerückt. Irgendwann dachte ich, es sei gar nicht mehr Thema.
Bis es dann doch wieder aufgegriffen wurde... Sehr verwirrend, sehr verwirrend.

Die Charaktere wirken am Anfang extrem kindisch und sehr oberflächlich. Alles, was sie tun wirkt oberflächlich und sinnbefreit. Doch nach und nach nimmt das ab. Sie werden reifer und erwachsener. Sie lernen und sehen sich selbst neu. Und am Ende bleibt nur noch ein komischer Geschmack im Mund, von dem man nicht weiß, ob man ihn mag oder nicht.

Ich mag es, wie immer mehr bekannt wird, was wirklich hinter alledem steckt, obwohl mich die Art, wie dies geschieht, oft auf die Palme gebracht hat. Es steckt wirklich mehr dahinter als "nur" unbeliebt zu sein und gemobbt zu werden. Ich weiß, das ist kein leichtes Thema, aber ich spreche aus Erfahrung. Das allein sollte wirklich nicht ausreichen, denn es gibt immer etwas Positives. Immer.
Ich finde es immer noch nicht gut, was in der Geschichte passiert ist, weil es echt so rüberkommt als hätte er wegen einem Mädchen keinen Sinn mehr gesehen. Wegen einem Mädchen. Da werde ich auch aggressiv. Das hat dann so ein "Verlass mich und ich bring mich um"-Potenzial und da könnte ich echt gegen eine Wand hauen. Natürlich ist es schwer und natürlich hat man das Gefühl, dass es nichts mehr Positives gibt, aber es ist ja nicht so als hätte Hayden keine Freunde gehabt, die ihm den Mut und die Kraft wieder geben wollten...
Aber das Zusammenspiel von Familie, Schule und Freunden, von Noten und Krankheiten, von Pubertät und Einsamkeit - diese Verbindungen machen das Buch dann dennoch zu einer lohnenswerten Lektüre, die sogar ein wenig aufklären kann. Vor allem Eltern.

Es handelt sich hierbei zwar um ein Jugendbuch, aber ich empfehle dieses Buch vor allem Eltern. Nicht mal unbedingt den Mobbern selbst. Warum, kann ich so genau gar nicht erklären. Es ist nur so ein Gefühl.

Gegen Ende klärt sich alles recht schnell auf, was ich für das ganze Buch als Geschwindigkeit schön gefunden hätte. Anfangs geht es sehr schleppend voran, aber wenn man es dadurch geschafft hat, wird man mehr und mehr mit der Geschichte verschmelzen und alle Hintergründe aufdecken. Und die letzten beiden Kapitel haben mich wirklich so fasziniert, dass es für mich das gesamte Bild auf das Werk verändert hat.

Kurz gefasst ist Playlist of the dead ein Buch, das ich weiterempfehlen würde. Es gibt viele Aufreger, aber auch Unmengen an Gefühl, Leid und Freude. Ich weiß gar nicht mehr, was ich dazu sagen soll, außer, dass das Ende - die letzten beiden Kapitel - mir so im Gedächtnis geblieben ist, dass ich fast alles vergessen konnte, das mich an diesem Buch gestört hat.


1 Kommentar:

  1. Ich stimme dir da total zu. Gerade weil heutzutage alles sehr oft negativ dargestellt wird, sollten nicht auch noch Bücher die Klischees von unerfüllter Liebe und folgendem Mord erfüllen. Selbstverständlich ist so etwas schon mal vorgefallen, aber man sollte es nicht noch normalisieren.

    Liebe Grüße
    Die Vorleser

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