Rezension: Gestorben lebt man besser - Cara Julie Kather




ISBN-10: 1530783704
Verlag: Selbstverlag
Seiten: 334
Preis: 11,72 €
Quelle: Amazon


Carter Dayle ist 23 Jahre alt und bereits unumstößlich überzeugt, die einzig wahre Antwort auf die drängende Frage, wie man am besten lebt, zu kennen. Nämlich gestorben. Eine Überzeugung, für die sie Morde begeht.
Eine Überzeugung, die sie in die Psychiatrie bringt. Zu ihm. Johan Doss, einem hübschen Seelenklempner, der sie irgendwie anders behandelt als jeder andere. Beide sind auf irritierende Weise von dem anderen angezogen.
Durch ihr Verhältnis gefährdet jeder der beiden einen wichtigen Teil von sich. Doch kann man jemanden wieder gehen lassen, der einfach so anders ist als alle anderen?

Dieses Buch habe ich geschickt bekommen von der wundersüßen Autorin persönlich. Sie ist so unglaublich lieb und zuvorkommend, sodass ich mich immer mehr über das Buch gefreut habe. Dann kam es an und ich habe direkt angefangen zu lesen, weil ich dieses Thema total spannend finde! Da hatte ich ziemlich hohe Erwartungen.


Am Anfang war es schon total spannend. Die ersten Kapitel klären auf, wie es zu Carters Einstellung kommt und die Idee dahinter ist fantastisch. Leider ist mir dieser Teil etwas arg zu kurz. Ich hätte viel lieber mehr darüber gelesen wie sie sich dafür entschieden hat und dies dann auch umgesetzt hat. Es gibt einen Zeitsprung von Ich habe meine Berufung erkannt zu Jetzt kann ich der Berufung nicht mehr nachgehen. Das ist sehr schade, weil ich mich genau darauf so sehr gefreut habe.
Dann aber geht es schnell weiter und ich kann es nur noch mal sagen: Die Idee ist der absolute Wahnsinn. Nur harpert es mit der Umsetzung gewaltig. Einige Szenen wirken auf mich nicht ausgereift und manchmal hab ich mich auch gefragt, wie das denn bitte möglich sein soll. Schade, dass es hier auch nicht erklärt wird. Manche Stellen fand ich auch nicht ganz gut recherchiert, aber das sind dann auch Szenen, die wirklich schwer zu schreiben sind. Wie komme ich jetzt mit dem, was ich habe auf das Ergebnis, das ich brauche? Da hat die liebe Cara sich einiges vorgenommen!

Dafür, dass sie sich so ein komplexes Thema ausgesucht hat und dazu noch blutjung ist, finde ich ihren Debütroman gar nicht mal so übel.
Während des Lesens bekam ich schon hin und wieder Wutanfälle wegen einigen Dingen, sodass ich eine Lesepause machen musste. Die Rechtschreibung ist an einigen Stellen wirklich furchtbar (sorry); es fehlern Wörter oder sie sind in der falschen Form geschrieben. So, wie man schreibt, wenn man gehetzt ist. Plötzlich wird aus Plural Singular oder umgekehrt. Das erschwert das Lesen sehr.
Was mich auch gestört hat, war das viele Kursiv. Auf beinahe jeder Seite wird mindestens einmal kursiv geschrieben. Ich lese diese Sätze dann nochmal und betone sie so, wie es kursiv ist und oft ergibt das für mich keinen Sinn. Lieber weniger kursiv und dann, wenn nötig (meistens nicht nötig, die Aussage kommt auch so gut zur Geltung), den Satz einfach umschreiben.

Die Personen wirkten auf mich sehr pubertär, sodass ich ihr Verhalten meistens nicht nachvollziehen konnte. Sie sollten zwar in meinem Alter sein (auf das Jahr genau), aber ich komme absolut nicht mit ihren Gedanken und Gefühlsschwankungen hinterher. Ich glaube (und erlaube mir jetzt einfach mal frech ein Urteil), dass die Autorin hier in ihren jungen Jahren einiges so geschrieben hat, wie sie handeln würde oder was sie für logisch erachtet und das ist eben sehr verwirrend, wenn man mitten in einem Reifeprozess steckt. Ich kann mich ziemlich stark daran erinnern, was ich für Ansichten und Meinungen in diesem Alter hatte und sie stimmen ungefähr mit dem Verhalten der Personen in diesem Buch überein. Allerdings kann ich es einfach nicht mehr nachvollziehen. Ich konnte das nur mit viel Augenrollen und Stöhnen und Buch-Ans-Gesicht-Klatschen ertragen. Es wirkt auf mich wie eine Teenievorstellung von Beziehungsdramatik, die es eigentlich gar nicht geben würde, wenn man es nicht selbst provoziert.
     Da kann ich ja gleich zugeben, dass ich Carter absolut nicht leiden kann. Sie ist trotzig, hält sich für etwas Besseres, tut aber gleichzeitig total dumme Sachen, für die ich sie gern ohrfeigen würde. Sie benimmt sich wie ein Kind und ihre Gedanken bestätigen mir das extrem. :/

Wie gesagt: Ich habe mich beim Lesen oft extrem aufgeregt über die zwei Personen, aber es gab auch unglaublich tolle Sachen. So zum Beispiel finde ich den Plottwist unglaublich gelungen! Es gibt einen wirklich krassen Plottwist, bei dem mir selbst der Mund offen stand und ich kurz vergessen habe zu atmen. Leider ist der nicht ganz ausgereift, sodass einige Fragen offen bleiben, aber immerhin bleibt es so noch spannend. Gegen Ende hin wurde ich immer ruhiger mit dem Buch und es ließ sich schon ein wenig besser lesen, obwohl die Rechtschreibung nicht besser wurde. Ich hatte zwar nicht das Gefühl, dass die Personen während der Geschichte reifen, aber sie haben sich in einem Punkt leicht weiterentwickelt und der Fokus wurde genau auf diese Stelle gelegt, sodass es nicht mehr so anstrengend war, mehr über Cater zu lesen.

Es gibt auch viel zu viele Sexszenen, die ich
1. absolut nicht nachvollziehen kann. Wieso passiert das jetzt? Warum? Was machen die da? Und warum tut sie es immer wieder, wenn sie sich danach beschwert?
und
2. absolut nicht angenehm zu lesen fand. Erotische Szenen sind eine Kunst, die vielen Menschen nicht liegt und da ich bei sowas sowieso total wählerisch und anspruchsvoll bin, fand ich diese Szenen, die mir viel zu häufig vorkamen, auch sehr sehr sehr unpassend und unangenehm. Das hätte man besser ausbauen können mit Szenen darüber, wie sie sich kennenlernen und annähern, statt sie gleich ins Bett hüpfen zu lassen.
Mir persönlich hat der sachliche Schreibstil ihres Autorenprofils am Ende des Buches und der Schreibstil des Nachwortes viel besser gefallen als der Schreibstil ihrer Geschichte. Es sind mir zu viele Beschreibungen von allem, die sich auch sehr, sehr, sehr oft wiederholen. Dass Carter sehr sarkastisch ist, merkt man auch ohne wiederholte Aussagen wie Meine innere Stimme verzieht diesen Satz sarkastisch. Diese Formulierung habe ich wahrscheinlich mehr als 5x gelesen.

Obwohl ich das Buch für meine Erwartungen eher enttäuschend fande, werde ich es mit viel Stolz in meinem Bücherregal an einen Ehrenplatz stellen. Denn dieser Debütroman ist für mich zwar nicht ausgereift und hat mir ein wenig zu viel Teenie-Drama, aber die Autorin selbst nimmt Kritik unglaublich gut an (worauf ich ziemlich stolz bin und ihr unglaublich dankbar!) und versucht, daran zu arbeiten. Ihr ist klar, dass nicht jedem gefällt, was sie schreibt und diese Einstellung wird sie hoffentlich noch sehr weit bringen! Wartet mal ab, bis sie ein wenig älter geworden ist und ihre Geschichten ein wenig mehr ausgereift. Dann werden wir noch viel von ihr hören und ich bin mir sicher, dass sie es irgendwann auf die Bestsellerliste schafft. Vielleicht sogar mit genau dieser Geschichte, die sie komplett überarbeitet hat? Dann wäre ich stolzer Besitzer des ersten Exemplars einer wundervollen Autorin!

Zusammengefasst ist Gestorben lebt man besser ein Buch, dessen Gerüst stimmt. Es ist für mich eine Rohfassung, dessen Idee dahinter stimmt, die Umsetzung allerdings nicht. Die Personen, die mitte 20 sein sollen, benehmen sich so kindisch wie sich Teenies benehmen, die sich erwachsen fühlen (ich war auch so eine. :D) und deren Streitereien sind sinnlos und ich kann ihre Beweggründe nicht nachvollziehen und das Verhalten sowieso nicht. Ich glaube, dass das Buch in eben jener Zielgruppe ein großer Renner werden könnte, Gleichaltrigen würde ich aber empfehlen, das Buch nur zu lesen, wenn sie es so sehen wie ich. Als unausgereifte Rohfassung, deren Gerüst stimmt.

Ich möchte diesem Buch gerne zwei Bewertungen geben. Während des Lesens habe ich mich oft so furchtbar aufgeregt, dass ich das Buch längere Zeit weglegen musste und somit würde ich gerne


vergeben. Allerdings habe ich immer wieder zu diesem Buch gegriffen und es nicht abgebrochen, weil ich immer wieder wie magisch davon angezogen wurde. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und was noch mit den Personen passiert. Je mehr Zeit verstrichen ist, desto besser fand ich die Geschichte eigentlich im Nachhinein. Deshalb ist die obige Bewertung die, die ich während des Lesens gebe und die, die ich jetzt gebe, ist die Bewertung, die ich im Nachhinein für angemessen halte, da ich noch viel über dieses Buch nachdenke und eigentlich sehr froh bin, das Buch trotzdem gelesen zu haben.


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