Rezension: Im Glashaus - Devakumaran Manickavasagan




ISBN: 9783862689200
Verlag: Engelsdorfer Verlag
Seiten: 195
Preis: 11,50 €
Quelle: AutorenHP


"Im Glashaus gefangen zwischen Welten" bietet einen Einblick in das Leben von Migranten, die ihre Heimat verlassen haben, um im Exil einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Am Beispiel der Jugend der in Deutschland lebenden Exil-Tamilen, zu denen er selbst gehörte, beschreibt der Autor Probleme und Hindernisse, die mögliche Gründe für eine verfehlte Integration sind. Von der einen Kultur in die andere gestoßen und in ihren Gefühlen verletzt, wissen sie oft nicht, wie ihr weiterer Weg verlaufen soll. Der Blick hinter die Kulissen ermöglicht betroffenen Migranten eine andere Sichtweise auf die Dinge und zeigt mögliche Wege auf.

Habt ihr euch schonmal gefragt, wie es den Menschen in Deutschland geht, die hierher geflüchtet sind? Oder deren Kindern? Ich persönlich habe mich das ziemlich oft gefragt und meine zusammengereimte Antwort darauf war: Natürlich beschissen. Sie haben ihr Zuhause aufgegeben! Ihre Erinnerungen, ihre Kindheit, ihr Leben. Natürlich geht es ihnen mies. Oder?

Die Antwort auf diese einfache und doch schwierige Frage findet ihr in diesem Buch. Wieso schwierig? Ganz einfach, weil das Warum eine große Rolle spielt. Warum entwickeln sich Flüchtlingskinder so wie sie es tuen? Warum ist ihr Verhalten so, wie es gerade ist? Wie fühlen sie sich dabei? Fühlen sie sich daheim?


Wer kann die Gefühle eines Kindes in dieser Situation besser beschreiben als Deva, der das alles selbst erlebt hat? Ich glaube, keiner. Deshalb hat mich dieses Buch auch sehr interessiert und ich habe es mittlerweile gelesen.
Ich muss euch gleich sagen, dass ihr dieses Buch nicht einfach verschlingen könnt wie einen Jugendroman. Dieses Buch muss aufgesaugt werden. Jedes Wort gelesen und verstanden werden. Dazu ist die Thematik so dermaßen brutal, dass ich nebenbei einige Bücher lesen musste, um nicht in einen depressiven Strudel zu geraten.
Das klingt jetzt natürlich sehr negativ, aber ich bin ehrlich mit euch. Glaubt ihr, dass ihr bei einem so ernsten Thema glücklich werdet beim Lesen? Glaubt ihr, dass sich Flüchtlingskinder gut fühlen und mit jeder Pore ihr Leben genießen? Nein. Und genau das zeigt dieses Buch. Auf direkte und ehrliche Art und Weise.

Diese ehrliche Art hat mich manchmal ziemlich ins Schwitzen gebracht. Denn wenn man ehrlich sein möchte, gibt es fast immer jemanden, der verletzt wird. Während ich gelesen habe, habe ich oft geschluckt und gedacht: Wow. Wie müssen sich die Betroffenen da jetzt fühlen?
Vor allem die Eltern. Manchmal klingt Devas Ehrlichkeit so brutal, dass ich teilweise das Gefühl hatte, er müsse seine Eltern hassen für das, was sie ihm angetan haben. Es klingt an manchen Stellen ziemlich böse, aber an anderen Stellen merkt man dann wieder, dass das gar nicht so gemeint ist. Er liebt seine Eltern, keine Frage. Wer tut das nicht?
Doch wo kann ich anfangen, die Wahrheit aufzudecken und gleichzeitig vielleicht so vielen Kindern ein besseres Leben zu beschaffen, wenn ich meine Eltern schützen will? Denn ihr Fehlverhalten sorgt unter Anderem zu vielen Problemen, mit denen ein Kind zu kämpfen hat.

Da gibt es nichts zu Beschönigen, so leid es mir tut. Deva ist ein sehr mutiger Autor, der sich mit seinen wahren Worten vielleicht so einige Feinde gemacht, sich aber nicht daran gestört hat, uns weiterhin die Wahrheit zu sagen.

Ich bin super froh, dass ich dieses Buch gelesen habe, auch wenn ich richtig lange dafür gebraucht habe. Ich musste oft Pausen einlegen, um das alles richtig verarbeiten zu können, obwohl es mich nicht wirklich betrifft. Macht das nicht einen guten Autor aus?

Wer dieses Buch einfach so lesen möchte, dem rate ich davon ab. Ich empfehle es denen, die hinter die Kulissen schauen wollen. Ich empfehle es denen, die helfen wollen, aber nicht wissen, wie. Denn durch das Lesen kamen mir so viele Ideen, wie ich Betroffenen helfen könnte, ohne es offensichtlich zu tun. Da reicht vielleicht schon einfach der Besuch bei einem Klassenkameraden zuhause, wer weiß?

Dieses Buch ist kein Buch zum Spaß. Dieses Buch ist purer Ernst und beruht auf nicht nur einer wahren Begebenheit. Sondern täglichen wahren Begebenheiten.

Zusammengefasst ist Im Glashaus ein Wunderwerk der Wahrheit, das ich jedem neugierigen Menschen empfehle, der sich darüber bewusst sein kann, dass dieses Buch kaum zum Abschalten hilft. Es hilft dabei, zu verstehen. Vielleicht sogar regt es zum Helfen an. Vielleicht aber auch bringt es einige Eltern zur Vernunft.
Die  volle Punktzahl gibt es von mir leider trotzdem nicht, weil mir der Schreibstil manchmal ein wenig zu brutal rüberkam. An manchen Stellen liest es sich wie eine Abrechnung mit der eigenen Familie. Trotz allem Durchlebten finde ich einige Formulierungen viel zu hart und einige Tatsachen werden viel zu oft wiederholt. Natürlich haben die unterschiedlichsten Taten die gleichen Effekte, genauso wie die immergleichen Taten die unterschiedlichsten Effekte erzielen können, klar. Aber ich bin ehrlich in meinen Rezensionen und sage, dass mich diese ständigen Wiederholungen irgendwann genervt haben.

Trotz allem bin ich froh, dieses Buch gelesen zu haben; fühle mich klüger als zuvor und werde mit einer neuen Sicht auf die Dinge durch das Leben gehen. Und ich glaube, nur darauf kommt es an.


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